Sexualstraftat und Mord an Carolin G im Gewann Erle (Endingen) und Lucille K. in Kufstein am Inn : Mutmasslicher Täter seit Freitag in Haft

Mutmasslicher Täter seit Freitag in Haft

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Medienkonferenz in Endinger Stadthalle Pupp(LKATirol), Roth (PPFreiburg) und R. Kerber (Soko Erle)
Quelle: 
RDL KMM 2017

Am Ende ging es - nach sieben Monaten - dann doch schnell. Eine Speichelprobe, die bei der Erstvernehmung am Mittwoch den 31.Mai genommen worden war, rundete die Indizienkette der Ermittlungen des LKA Tirol und der Soko Erle im PP Freiburg ab. Am Freitag Nachmittag, den 2.6.17, wurde ein 40 -jähriger LKW-Fahrer aus einer Spedition und mit Wohnsitz im Raum Freiburg festgenommen. Am Samtag, 2.6.17 wurde von einem Haftrichter am AG Freiburg ein Haftbefehl wegen „dringenden Tatverdachtes wegen Vergewaltigung und Mord an Carolin G.“ erlassen.
Der als mutmasslicher Täter Inhaftierte  streitet jedoch beide Taten (Endingen/Kufstein) an der 27 järigen Carolin G. und der 20 jährigen Erasmus-Studentin Lucille K. weiterhin ab.
Die den Haftbefehl begründende Indizienkette war jedoch wohl weder allein durch DNA-Beweis noch  eine möglicherweise wahllose Auswertung von 50.000 Datensätzen aus der Kufsteiner Mautstelle gelieferten Daten allein möglich geworden. 
(Zur DNA Analytik bzw. Molekulargenetischem Sachverstand : Andreas Stenger  11:01  2 0:39  3 0:50)
Nur die von Polizeitauchern im Januar 2014 aus dem Inn geborgene Eisenstange eines LKW mit Blutanhaftungen der in Kuftsein getöteten Lucille K., die von der Emmendinger SOKO „Erle“ (=Name des Gewann zwischen Endingen und Bahlingen) eindeutig auf einen speziellen LKW-Typ und Hersteller zugeordnet werden konnte, ermöglichte – so der Soko-Leiter KOR Kerber - die sinnvolle Reduktion auf 13 in Frage stehende LKWs diverser Speditionen 0:25, die am 14. Januar 2014, dem Ermordungstag der getöteten fanzösischen Erasmus-Studentin Lucille K. - wegen des Sonntagsfahrtverbot - eine Standzeit in Kufstein einlegen mussten. (s.a.zur Gesamtermittlung KOR Richard Kerber und vom LKA Tirol Walter Pupp)14:22
Die Miterfassung von Stand-Lenkzeiten im in Östereich zu Validierung von Mautabgaben ausgelesenen Go-Box-Sytem  war vielmehr eine - im Unterschied zu Deutschland - hinreichende  Bedingung, um überhaupt  sinnvolle Filterungen zu erstellen. Die Hypothese des Tiroler LKA, vertreten bei der PK am Samstag durch LKA Chef Walter Pupp, dass ein Fernfahrer als Täter in Betracht kam, sowie die Beharrlichkeit diese Hypothese immer wieder mit europäischen Polizei-Dienststellen und ihren offenen Sexual- und Tötungsdelikten anzusprechen, ermöglichte erst jetzt die Voraussetzungen des Fahndungserfolges. Bereits Ende Januar 2017 konnte eine hinreichend wahrscheinliche Ähnlichkeit der gelegten und molukulargenetisch "hochgerechneten" DNA Spuren in Kufstein und Endingen angenommen werden.
Doch hing zunächst das auf Basis eines aus rudimentären DNA-Spuren Materials in Kufstein und Endingen extrapolierten Molekularsachgutachtens noch völlig in der Luft.
Erst als die übereinstimmenden Zeugenaussagen zu einem dunklen(blau?rot?) Kleinwagen in den Weinbergen bei Endingen /Bahlingen, die aus den Ermittlungen der Soko Erle stammten (ein bau- und farbgleicher PKW, allerdings mit einer andereren Zulassung war im Besitz des Tatverdächtigen) und die Einwahl des Handys des jetzt dringend Tatverdächtigen am Tattag in Endingen scheint die Indizienkette geschlossen zu haben. Zusammen mit dem Umstand, dass das Kufsteiner Tatwerkzeug einem bestimmten LKW-Typ (IVECO) zurechenbar wurde und damit auch eine Konzentration auf LKW mit Standzeiten erlaubte  ein Anschreiben, der in Frage kommenden Speditionen. So konnte  die neue Spur 4334 Ende Mai kreiert  werden. Sie deute  auf den 40 jährigen LKW-Fahrer hin, der aus den Personal Unterlagen der von der Kriminalpolizei angeschriebenen Speditionen stammt,
Dass die von Ihm am Mittwoch -freiwillig - in der Vernehmung entnommende Speichelprobe nicht im Gegensatz, sondern wohl in (Teil-)Übereinstimmungen zu den Resten des extrapolierten DNA Material des Spurenlegers sowohl in Kufstein wie Endingen stand, war nützlich, aber in der Kette wohl (letztlich) nur der verfestigende Mörtel.
Das gleichwohl dem Endinger Bürgermeister, Schwarz, ein flammender Apell für die DNA-Fahndungs(!)gesetzes Inititiative des CDU Innenministers Wolf entglitt, glich eher dem Pfeifen im Wald statt vernünftiger Erwägung an Hand von Tatsachen.0:34

Während die Kriminalbeamten angesichts des Abstreitens der Taten durch den Inhaftierten ihre Indizienkette nun umfänglich untermauern müssen, haben die beteiligten Juristen der Staatsanwaltschaften und Gerichte, die Feinheiten des Strafprozess-Rechtes in der EU zu taxieren. Da der mutmassliche Täter einen rumänischen Pass besitzt, sich im Raum Freiburg nur niedergelassen hat, die Tat an der französischen Staatsbürgerin Lucille K. aber in Kufstein/Österreich begangen wurde, ist die deutsche Straf-Justiz wohl dafür nicht zuständig. Das wird weniger für die kriminalistischen Untersuchungen eher für die strafrechtlichen Verfahren in der Folge grössere, vor allem zeitliche Konsequenzen haben.

(kmm 3.+4.6.17, Ergänzungen 7.6.)