Putinkritischer Künstler Semyon Skrepetsky in Polen erschossen

Putinkritischer Künstler Semyon Skrepetsky in Polen erschossen

Nach Medienberichten wurde der Künstler Semyon Skrepetsky (auch Simon Skrepetski und mit bürgerlichem Namen Robert Kuzowkow) in Biala Podlaska durch mehrere Schüsse aus kurzer Entfernung getötet. Biala Podlaska liegt in Ostpolen, nur 35 km von der Grenze zu Weißrussland. Nach ersten Informationen sollen zwei Täter beteiligt gewesen sein. Ein Tatverdächtiger soll in Biala Podlaska in der Nähe des weißrussischen Konsulats festgenommen worden sein.

Nur drei Tage vor seinem Tod hatte der Aktionskünstler und Karikaturist vor der russischen Botschaft in Berlin gestanden. Er hielt dabei ein gemaltes Bild mit vergoldetem Rahmen. Auf dem Bild war Stalin mit seiner Pfeiffe zu sehen und auf seinem Schoß Putin-Baby mit rotem (Atom?-)Koffer. Stalin und Putin wie es sich gehört mit Heiligenscheinen.

Es gibt eine lange Reihe von Putin-Kritiker*innen, die ermordet wurden oder unter sehr fraglichen Umständen zu Tode kamen: Sergei Juschenkow, Abgeordneter, 2003 erschossen, Juri Schtschekotschichin, Abgeordneter und Journalist, mutmaßlich mit Polonium vergiftet (Krankenakte verschwunden), Boris Beresowski, 2013, Selbstmord durch Erhängen angezweifelt, Journalistin Anna Politkowskaja, 2006 im Aufzug ihres Wohnhauses mit mehreren Schüssen ermordet, Alexander Litwinenko, 2006 im Londoner Exil vergiftet mit radioaktivem Polonium, Boris Nemzow, 2015 auf einer Brücke in Sichtweite des Kreml durch 4 Schüsse in Hinterkopf und Rücken ermordet, Alexei Nawalny, nachdem er 2020 nur knapp einen Anschlag mit einem Nervenkampfstoff überlebt hatte, 2024 unter verdächtigen Umständen in einer Haftanstalt nördlich des Polarkreises gestorben, Leonid Wolkow, Mitarbeiter von Nawalny, 2024 im litauischen Exil mit einem Hammer zusammengeschlagen. Die Liste der gewaltsam zu Tode gekommenen oder nur knapp einem Attentat entkommenen Putin-Kritiker dürfte in Wirklichkeit noch länger sein.

Autor*in

jk