Verdi update: Ingo Busch über 6 Monate Tarifvertrag auf Bewährung: Streik ausgesetzt: Uniklinik wehrt sich gegen Darstellung des Vorstands.

Streik ausgesetzt: Uniklinik wehrt sich gegen Darstellung des Vorstands.

Leider doch keine Veranstaltungen im Streiklokal.

Leider doch keine Veranstaltungen im Streiklokal.
Leider doch keine Veranstaltungen im Streiklokal.

Nach den zähen Tarifverhandlungen an den Unikliniken in Ba-Wü kam es am Dienstag zu einer vorersten Einigung zwischen Klinikleitung und der Tarifkommision von Verdi. Für die KrankenhausarbeiterInnen in Freiburg bedeutete das, dass die geplanten Streiks am Donnerstag und Freiburg ausgesetzt wurden. Die sichtbare Streikbereitschaft der Uniklinik-Belegschaft in Freiburg habe die Kapitalseite nochmal soweit unter Druck gesetzt, dass sie in einigen zentralen Punkten Zugeständnisse gemacht hätten, so Ingo Busch, Gewerkschaftssekretär bei Verdi. Allerdings bleibe abzuwarten, inwiefern die Klinikleitungen ihrem Angebot in den nächsten sechs Monaten Taten folgen lassen. Nach diesem Zeitraum würde das dreimonatige Sonderkündigungsrecht der Gewerkschaft greifen. Es könne passieren, dass man in neun Monaten (6+3) erneut verhandeln müsse. Bevor der Angebotskatalog überhaupt angenommen werden kann, müssten die KrankenhausarbeiterInnen dem Vertrag bis zum 11. April zustimmen. Am Dienstag (20.03) hatte die Klinikleitung eine Pressemitteilung veröffentlicht, in der sie Verdi dazu aufforderte die angesetzten Streiktage um eine Woche zu verschieben. Als Begründung diente der Klinikleitung das im Gesundheitsbereich oft bemühte Argument des "gefährdeten Patientenwohls". Weiter heißt es in der Erklärung: "Auch vor dem Hintergrund, dass diese Gespräche weit fortgeschritten sind, ist ein erneuter Aufruf zum Streik überflüssig und kontraproduktiv."

Die Reaktionen der KrankenhausarbeiterInnen, ließen nicht lange auf sich warten. In einer Pressemitteilung der Teamdelegiertenversammlung stellten sich diese geschlossen hinter den geplanten Streik und wiesen die Vorwürfe entschieden zurück. In der Gegendarstellung heißt es dazu: "Wir sehen mittlerweile nicht nur unsere eigene Gesundheit gefährdet, sondern zunehmens auch die der Patienten, auch der gerne medienwirksam in den Vordergrund gestellten „onkologischen Patienten und Kinder“. So ist beispielsweise eine Person in der Medizinischen Klinik nachts alleine für etwa 20 hochkomplexe Patienten zuständig, dieser Umstand zieht sich durch alle Abteilungen. Pflegerische und medizinische Maßnahmen oder auch das rechtzeitige Erkennen von kritischen Situationen sind so nicht möglich - dies gefährdet die Patienten!"Bis zum 11. April plant Verdi verschiedene Info-Veranstaltungen, unter anderem mit Irene Gölz, die Teil der Tarifkommision war.

Die für Morgen (Freitag 23.03.) geplante Demo findet trotzdem statt. Beginn ist um 14:30 am Torbogen auf dem Gelände der Uniklinik. Auf dem Platz der alten Synagoge soll es eine kurze Kundgebung geben, bevor die Demonstrierende zur Aufsichtsratssitzung weiterziehen.

 

 

PM von Verdi, zum Tarifvertrag auf Bewährung, 21.03.2018: https://suedbaden.verdi.de/presse/pressemitteilungen/++co++1bc7735e-2d02-11e8-a412-525400423e78

PM der Uniklinik Freiburg, 20.03.2018: https://www.uniklinik-freiburg.de/nc/presse/pressemitteilungen/detailansicht/presse/1488.html?tx_aspresse_pi1%5BbackLink%5D=1570&cHash=4b6c455ddf7de6fc93988719a3af0f95

Vollständige Gegendarstellung der Freiburger Delegiertenversammlung:

Gegendarstellung zur Pressemitteilung: „Erneut Warnstreiks am Universitätsklinikum Freiburg, Patientenversorgung in der Region gefährdet/Vorstand kritisiert Gewerkschaft“

Am Donnerstag den 22.3. und Freitag den 23.3. wurde erneut zum Streik aufgerufen, da unseren bisherigen Forderungen nach einer Mindestbesetzung und einem Konsequenzenmanagement bei Nichteinhaltung, nicht genüge getan wurde
Es wurde eine Notdienstvereinbarung erstellt, diese stellt sicher, dass die Patienten trotzdem versorgt sind. An vielen Stellen entspricht die Streikbesetzung der Besetzung, die in der Realität langsam zur Normalität wird. Somit ist die Streikbesetzung in vielen Schichten gleich der ohnehin schon geringen Normalbesetzung, die außerhalb der Streiktage auch ohne Intervention akzeptiert wird.
Wir sehen mittlerweile nicht nur unsere eigene Gesundheit gefährdet, sondern zunehmens auch die der Patienten, auch der gerne medienwirksam in den Vordergrund gestellten „onkologischen Patienten und Kinder“. So ist beispielsweise eine Person in der Medizinischen Klinik nachts alleine für etwa 20 hochkomplexe Patienten zuständig, dieser Umstand zieht sich durch alle Abteilungen. Pflegerische und medizinische Maßnahmen oder auch das rechtzeitige Erkennen von kritischen Situationen sind so nicht möglich - dies gefährdet die Patienten!
Des Weiteren werden durch die Verschiebung elektiver Maßnahmen und OPs Ressourcen für die Aufnahmen von weiteren Influenzapatienten frei.
Insofern stellen wir uns als Teamdelegiertenversammlung geschlossen gegen die Aussage unser Streik würde die Gefährdungssituation herbeiführen, sie ist schon lange da und deshalb streiken wir.

Die Teamdelegiertenversammlung der Pflegenden des Uniklinikums Freiburg