2 andere Bewerber für Kita im Freiburger Güterbahnhofsareal: Umstrittene Kita-Vergabe an freikirchlichen „Christlichen Schul- und Erziehungsverein“

Umstrittene Kita-Vergabe an freikirchlichen „Christlichen Schul- und Erziehungsverein“

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Screenshot von /www.cse-freiburg.de

Insgesamt 3 Bewerber hat es für eine viergruppige Kita im Güterbahnhofsareal gegeben. Das erklärte die städtische Pressestelle auf Radio Dreyeckland Nachfrage. Es hatten sich auch das Jugendhilfswerk und der Caritasverband auf die Trägerschaft beworben. Ausgewählt wurde aber der Christliche Schul-und Erziehungsverein, der zum evangelischen Freikirchenspektrum gehört. Die Unabhängigen Listen hatten gegen die Vergabe in Person von Irene Vogel protestiert. „Diese Organisation wie auch die Freie Christliche Schule sind Teil des reaktionären Freikirchlichen Verbandes der Christlichen Allianz. Sie lehnen strikt die Darwinische Entwicklungstheorie ab, sind extrem homophob, betreiben Heilungszentren für Homosexuelle, gehören zu den radikalen Abtreibungsgegnern und sind stark missionarisch unterwegs.
Aus diesen Gründen ist es uns völlig unverständlich, warum die Vergabe der Betriebsträgerschaft für eine Kita an eine radikal reaktionäre Sekte geht. Wir erheben hiermit Einspruch gegen diese Entscheidung."

Als Auswahlkriterien für die Vergabe gibt die Stadt Freiburg auf Radio Dreyeckland Anfrage Fachlichkeit (Gewichtung mit 50%), Finanzierung, Elternbeitragsstruktur (Gewichtung mit 40%) und Pluralität (Gewichtung mit 10%) an. Obwohl es bereits auf der Homepage des Christlichen Schul- und Erziehungsverein heißt "Eltern von Kindern in unseren Einrichtungen teilen den christlichen Glauben" erklärt die Stadt gegenüber RDL: „Die vorgelegte Konzeption sieht nicht vor, dass die Religionszugehörigkeit eines Kindes ein Aufnahmekriterium ist.“

Erst kürzlich hat der Christliche Schul- und Erziehungsverein eine Kita in Freiburg eröffnet. Auch bei der Bunten Burg in der Wirthstraße lägen der Verwaltung keine Anhaltspunkte vor, dass diese nicht allgemein zugänglich sei. Die Stadt beruft sich bei der Vergabe der Kita auf die gesetzlich geforderte Pluralität. „In Freiburg gibt es daher auch ein weitreichendes Angebot von konfessionslosen Kita-Trägern, zu denen die Mehrheit der Anbieter zählt. Der Anteil der Betreuungsangebote in kirchlicher Trägerschaft bzw. in Trägerschaft kirchlicher Vereine (dazu zählen bspw. auch die Caritas, die Diakonie und der Sozialdienst Kath. Frauen) liegt im betroffenen Planungsraum bei 15% für Kinder bis drei Jahre und bei 35% für Kinder von drei bis sechs Jahren.“ Ob es wirklich so viele FreikirchenanhängerInnen in Freiburg gibt, dass es nun eine zweite Kita für den Christlichen Schul- und Erziehungsverein gibt, ist fraglich. Sehr fragwürdig ist zudem ob die allgemeine Zugänglichkeit zu einer Kita, die nach Angaben der Stadt notwendig ist, um den Förderrichtlinien zu entsprechen, beim Christlichen Schul- und Erziehungsverein wirklich gegeben ist. Schon wer in der Kita arbeiten will muss einen „geistlichen Lebenslauf“ vorlegen. „Wie sind Sie zum Glauben an Jesus Christus gekommen? Was bedeutet dieser Glaube für Ihren beruflichen Alltag? In welcher Gemeinde sind Sie aktiv bzw. beheimatet?“

Zum Leitbild des freikirchlichen Vereins heißt es auf der Homepage: „In dieser Weise nehmen wir in der Kinder- und Jugendbildung /-hilfe den Auftrag der Landesverfassung Baden-Württembergs auf, „die Jugend (ist) in Ehrfurcht vor Gott, im Geiste der christlichen Nächstenliebe, zur Brüderlichkeit aller Menschen und zur Friedensliebe, in der Liebe zu Volk und Heimat, zu sittlicher und politischer Verantwortlichkeit, zu beruflicher und sozialer Bewährung und zu freiheitlicher demokratischer Gesinnung zu erziehen.“ Die Erziehung zur Liebe zu „Volk“ und Heimat steht hoffentlich nicht für alle Eltern ganz oben auf der Prioritätenliste, selbst wenn sie immer noch in der Landesverfassung auftaucht.

Die jetzt erfolgte Vergabe der Kita im Güterbahnhofsareal an den freikirchlichen Christlichen Schul- und Erziehungsverein hat nicht zuletzt durch die im Wahlkampf schon diskutierten Freikirchenverbindungen vom neuen Oberbürgermeister Martin Horn ein besonderes Geschmäckle.

Im Rahmen der jährlichen Kindertagesstättenbedarfsplanung hätte der Gemeinderat die Möglichkeit die Freiburger Förderrichtlinien für die Kitas zu verändern. Es wäre wohl an der Zeit hier strengere Kriterien anzulegen, die zukünftig verhindern, dass die freikirchlichen Träger, die relativ offensichtlich Personengruppen ausschließen und andere versuchen zu missionieren nicht mehr zum Zuge kommen. (FK)