Kommentar zur Spieleplattform Steam: Wer alles veröffentlicht ist auch für alles verantwortlich

Wer alles veröffentlicht ist auch für alles verantwortlich

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Wasserrohre mit Drehgriffen
Das Logo von Valve sieht in etwa so aus.
Quelle: 
Paul Goyette, Water valves with spigots,

Die Spieleplattform Steam dient seit 2003 dem Spielevertrieb des Spieleentwicklers Valve, der vor allem mit dem beliebten First-Person-Shooter Half-Life (1998) Bekanntheit erlangte.

Seither hat sich Valve zu einer Veröffentlichungsplattform für viele, auch kleine Firmen und Einzelpersonen entwickelt, die so einer breiten Öffentlichkeit ihre Spiele zu Kauf anbieten können.

An sich eine schöne Sache, wäre da nicht das Problem, dass auch immer wieder Spiele veröffentlicht werden, die viel öffentlichem Gegenwind ausgesetzt sind.

So sollte jüngst ein Spiel namens "Active Shooter" die Möglichkeit geben, Amokläufe an Schulen aus der Perspektive von Amokläufer*innen bzw. der der Polizei zu simulieren. Nach großer öffentlicher Kritik insbesondere in den USA, in denen seit Neujahr etwa wöchentlich eine Schießerei an einer Schule stattgefunden hat, wurde das Spiel aus dem Angebot genommen.

Steam begründete dies jedoch nicht mit inhaltlichen Kriterien sondern gab an, dem Entwickler bereits zuvor die Zusammenarbeit aufgekündigt zu haben, der sich nun unter anderem Namen Zugang verschafft habe.

In einem folgenden Blogpost distanzierte sich Valve dann von jeder Verantwortung für veröffentlichte Inhalte und gab an, in Zukunft keinerlei inhaltliche oder qualitative Kontrollen durchzuführen. Sowohl schlecht gestaltete Spiele als auch jegliche Inhalte seien allein die Verantwortung derjenigen, die sie hochladen. Lediglich illegale Inhalte und "Trolle" (Personen, die offensichtlich Schaden anrichten wollen) würden entfernt.

So folgte nach kurzer Zeit ein Spiel, das beides verknüpfte: Ein rassistischer Shooter, in dem eine Weiße person nach Afrika geht, um dort alle Afrikaner*innen zu töten. Dabei beworb sich das Spiel selbst als qualitativ sehr schlecht.

Valve nahm zwar auch dieses Spiel aus dem Angebot von Steam, erkannte jedoch nicht an, dass derartige Inhalte und deren Verbreitung nun eben doch im Verantwortungsbereich der Firma liegt.

Dass es sich hierbei nicht um eine bloße Meinungsverschiedenheit sondern eine politisch relevante Entscheidung handelt zeigt etwa, dass eineToleranz gegenüber rassistischen Chatgruppen, die ebenfalls auf der Plattform existieren, der Vernetzung von mindestens zwei tatsächlichen und einem potentiellen jugendlichen Attentäter geführt haben, deren Zulauf sich Steam über diese pseudoneutrale Haltung sichert.